Erste 48 Stunden entscheidend für Brandopfer in der Schweiz

Schweizer Café-Brandopfer durchstehen kritische erste 48 Stunden mit schweren Verbrennungen. Internationale medizinische Hilfe ist erforderlich, die Genesung dauert Jahre und erfordert Hauttransplantationen und psychologische Unterstützung.

brandopfer-schweiz-48-stunden
Image for Erste 48 Stunden entscheidend für Brandopfer in der Schweiz

Erste 48 Stunden entscheidend für Brandopfer in der Schweiz, Genesung dauert Jahre

Das verheerende Café-Feuer in Crans-Montana, Schweiz, hat 119 Verletzte hinterlassen, von denen viele um ihr Leben kämpfen. Medizinische Experten beschreiben dies als einen der herausforderndsten Massenunfälle der jüngeren europäischen Geschichte. Laut The Guardian forderte das Feuer 40 Todesopfer und überforderte das Schweizer Gesundheitssystem, was zur Verlegung von Patienten in spezialisierte Verbrennungszentren in ganz Europa führte.

Die kritische erste Phase

Medizinische Experten betonen, dass die ersten 24 bis 48 Stunden die akute Phase der Verbrennungsbehandlung darstellen. 'In dieser Zeit konzentrieren wir uns auf die Gabe von Sauerstoff, Flüssigkeit, Elektrolyten und Proteinen, während wir Wunden und Organe genau überwachen,' erklärt Paul van Zuijlen, Leiter des Verbrennungszentrums und plastischer Chirurg am RKZ Brandwondencentrum in Beverwijk. 'Manchmal müssen wir sofort Schläuche in die Luftröhre legen, wenn durch heiße Luft verursachte Schleimhautschäden zu Schwellungen führen.'

Opfer, die giftige Gase eingeatmet haben, benötigen hyperbare Sauerstofftherapie, um Substanzen wie Kohlenmonoxid aus Lunge und Blutbahn zu spülen. Laut medizinischer Forschung ist diese frühe Intervention entscheidend, um langfristige neurologische Schäden zu verhindern.

Massenverbrennungen stellen einzigartige Herausforderungen

Einige Opfer erlitten Verbrennungen auf bis zu 60 % ihrer Körperoberfläche. 'Ihre gesamte Handfläche stellt nur ein Prozent der gesamten Hautoberfläche dar,' bemerkt Verbrennungsspezialistin Keli Jansen vom Brandwondencentrum Rotterdam. 'Wenn jemand 60 % seiner Hautbarriere verliert, können Infektionen leicht eindringen, das Immunsystem arbeitet auf Hochtouren und der Körper verliert lebenswichtige Flüssigkeiten und Stoffe.'

Drittgradige Verbrennungen, die alle Hautschichten zerstören, können nicht von selbst heilen. 'Wir haben nur noch 40 % gesunde Haut übrig, die wir für Transplantationen entnehmen können, wenn jemand zu 60 % verbrannt ist,' erklärt Van Zuijlen. 'Wir verwenden verschiedene Techniken, um Haut effektiv zu dehnen und Wunden durch Transplantation zu bedecken.' Nur in extremen Fällen kann Spendergewebe vorübergehend verwendet werden, aber letztendlich muss die eigene Haut des Patienten für eine dauerhafte Heilung verwendet werden.

Internationale medizinische Reaktion

Das Ausmaß der Katastrophe erforderte eine beispiellose internationale Zusammenarbeit. Laut Erklärungen der Europäischen Kommission bekundete die EU volle Solidarität mit der Schweiz und half bei der Evakuierung von Opfern in spezialisierte Einrichtungen in ganz Europa. Patienten wurden in Verbrennungszentren in Belgien, Frankreich, Deutschland und Polen gebracht, als die Schweizer Krankenhäuser ihre Kapazitätsgrenzen erreichten.

Schmerzmanagement und künstliche Komas

Viele Opfer wurden in ein künstlich herbeigeführtes Koma versetzt. 'Wenn Menschen unerträgliche Schmerzen erleben, geraten sie in Stresssituationen, die den Körper noch härter arbeiten lassen,' sagt Jansen. 'Manchmal ist es besser, jemanden schlafen zu lassen, um Schmerzen zu umgehen und die Kontrolle über vitale Parameter wie Temperatur, Herzfrequenz und Blutdruck zu behalten.'

Die Schmerzwahrnehmung variiert bei Brandopfern dramatisch. Einige berichten von stechenden, brennenden oder kribbelnden Empfindungen, während andere mit tieferen Verbrennungen nichts spüren, weil Nervenenden zerstört sind. Viele Überlebende werden während ihrer Genesung intensiven Juckreiz erleben.

Langer Weg zur Genesung

Die Genesung von solch ausgedehnten Verbrennungen dauert Jahre, nicht Monate. 'Patienten verbringen typischerweise Monate in Verbrennungszentren, die ersten Wochen auf der Intensivstation,' erklärt Jansen. 'Danach folgen Monate in Rehabilitationszentren, und zu Hause geht die ambulante Rehabilitation weiter. Der gesamte Prozess kann leicht zwei Jahre oder länger dauern.'

Nach der Wundheilung bleiben Narben zurück, die die Mobilität einschränken können, da straffe Haut und Narbengewebe die Gelenkbewegung behindern. Die psychologischen Folgen sind ebenso wichtig, da Patienten Traumata verarbeiten und sich an ein verändertes Aussehen anpassen müssen.

Hoffnung inmitten der Tragödie

Trotz der düsteren Aussichten sehen medizinische Experten Gründe für Optimismus. 'Viele Menschen mit ausgedehnten Verbrennungen, die die akute Phase überleben, erholen sich, sofern keine Infektionen auftreten,' sagt Van Zuijlen. 'Jüngere Patienten haben im Allgemeinen bessere Überlebenschancen.'

Jansen fügt hinzu: 'Mit der Zeit werden Narben flexibler, und es gibt Optionen wie Hauttherapie und plastische Chirurgie. Die meisten Menschen integrieren sich erfolgreich wieder in die Gesellschaft.' Die Tragödie zieht Parallelen zum Café-Brand in Volendam im Jahr 2001, wo ähnliche medizinische Herausforderungen bewältigt und überwunden wurden.

Die internationale medizinische Gemeinschaft verfolgt weiterhin den Fortschritt der Schweizer Opfer, wobei die Genesung für diejenigen, die die kritische erste Phase überleben, in Jahren und nicht in Monaten erwartet wird.

Das könnte ihnen auch gefallen