Dramatische Festnahme im Plenarsaal
In einem beispiellosen Vorgang in der deutschen Parlamentsgeschichte wurde der Alternative für Deutschland (AfD)-Abgeordnete Jörg Dornau am 4. Februar 2026 direkt im Saal des Sächsischen Landtags festgenommen. Der 56-jährige Politiker wurde von Polizeibeamten in Gewahrsam genommen, kurz bevor eine Plenarsitzung beginnen sollte, nachdem in einer Sonderabstimmung seine parlamentarische Immunität aufgehoben worden war.
Ermittlungen wegen Sanktionsverstoß
Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelt gegen Dornau wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das deutsche Außenwirtschafts- und Zahlungsverkehrsgesetz. Laut Justizbehörden soll Dornau im August 2022 Kasachstan fälschlicherweise als Bestimmungsland für einen Teleskoplader (ein landwirtschaftliches Fahrzeug) angegeben haben, während das Material tatsächlich nach Belarus geliefert wurde. Damit seien die europäischen Sanktionen gegen Belarus umgangen worden, die nach der russischen Invasion in der Ukraine verhängt wurden.
'Transaktionen, die das Exportverbot umgehen, sind verboten und strafbar,' erklärte die Staatsanwaltschaft in ihrer offiziellen Mitteilung.
Geschäftsbeziehungen zu Belarus
Dornau betreibt über sein Unternehmen OOO Zybulka-Bel einen bedeutenden landwirtschaftlichen Betrieb in Belarus, der auf mehr als 1.000 Hektar in der Nähe von Lida Gemüse anbaut. Der AfD-Politiker stand bereits früher wegen seiner belarussischen Aktivitäten unter Beobachtung, darunter Vorwürfe, dass politische Gefangene des Regimes von Alexander Lukaschenko als Zwangsarbeiter auf seiner Zwiebelfarm eingesetzt wurden.
Im Jahr 2024 erhielt Dornau eine Geldstrafe von 20.862 Euro vom Sächsischen Landtag, weil er seine Einkünfte aus belarussischen Geschäftsaktivitäten nicht ordnungsgemäß angegeben hatte. Obwohl die Justiz die Zwangsarbeitsvorwürfe untersuchte, fand sie nach deutschem Recht keine ausreichenden Beweise für eine strafrechtliche Verfolgung.
Politische Folgen und Reaktionen
Die Festnahme hat die Aufmerksamkeit auf die Verbindungen der AfD zu Russland und Belarus verstärkt. Die rechtsextreme Partei hat seit der russischen Invasion in der Ukraine eine prorussische Haltung beibehalten, indem sie sich für die Aufhebung von Sanktionen ausspricht und diplomatische Kontakte zu Moskau unterhält.
AfD-Fraktionschef Jörg Urban nannte die Festnahme 'politisch motiviert' und 'für den Medienkonsum inszeniert.' Die Bundesparteiführung beginnt sich jedoch von Dornau zu distanzieren und erklärt, man werde sich 'klar distanzieren, wenn sich die Vorwürfe bestätigen.'
Historisches Präzedenz und rechtliche Implikationen
Dies ist das erste Mal in der sächsischen Parlamentsgeschichte, dass ein amtierender Abgeordneter im Parlamentsgebäude festgenommen wurde. Der Immunitätsausschuss empfahl, Dornaus Schutz aufzuheben, was trotz des Widerstands von AfD-Mitgliedern, die gegen die Maßnahme stimmten, angenommen wurde.
Parallel zur Festnahme durchsuchten Ermittler Dornaus Haus, Fahrzeuge und Geschäftsstandorte. Sollte er wegen Sanktionsverstößen verurteilt werden, droht ihm nach deutschem Recht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.
Der Fall unterstreicht die anhaltenden Bedenken hinsichtlich der Durchsetzung von EU-Sanktionen und die Herausforderungen bei der Überwachung der Einhaltung durch Politiker mit internationalen Geschäftsinteressen. Er wirft auch Fragen über die Beziehung der AfD zu autoritären Regimen auf, während die Partei weiterhin an politischem Einfluss in ostdeutschen Bundesländern gewinnt.
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