Historische Entscheidung beendet fast fünf Jahrzehnte UN-Präsenz
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat einstimmig für die Beendigung der UNIFIL-Friedensmission im Libanon bis 2027 gestimmt, was den Abschluss von fast 50 Jahren internationaler Militärpräsenz in der Region markiert. Die Entscheidung stellt einen Kompromiss zwischen konkurrierenden internationalen Interessen dar und setzt einen definitiven Zeitplan für den Abzug von etwa 10.800 Friedenstruppen fest.
Kompromiss zwischen divergierenden Positionen
Die Resolution folgt auf intensive Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Israel auf der einen Seite und dem Libanon und Frankreich auf der anderen Seite. Amerikanische und israelische Beamte suchten zunächst eine kürzere Verlängerung von sechs Monaten bis zu einem Jahr, während libanesische und französische Diplomaten für mehr Zeit plädierten, um sicherzustellen, dass die libanesischen Streitkräfte die Sicherheitsverantwortung entlang der volatilen Grenze zu Israel angemessen übernehmen können.
Historischer Kontext von UNIFIL
UNIFIL wurde 1978 nach der Operation Litani Israels gegründet, bei der israelische Truppen den Südlibanon invadierten, um palästinensische militante Gruppen zu bekämpfen. Das ursprüngliche Mandat der Mission umfasste die Überwachung des israelischen Abzugs und die Aufrechterhaltung des Friedens in der Grenzregion. Trotz der UN-Präsenz startete Israel zusätzliche Invasionen in den Jahren 1982 und 2006, wobei der letztere Konflikt zu einer signifikanten Erweiterung der UNIFIL-Truppen von 2.000 auf 15.000 Personal führte.
Aktuelle Sicherheitsentwicklungen
Die Sicherheitssituation im Südlibanon hat sich im vergangenen Jahr erheblich verändert. Nach grenzüberschreitenden Angriffen zwischen der Hisbollah und Israel, die im Oktober 2023 begannen, vereinbarten beide Parteien im November 2024 einen Waffenstillstand. Der Konflikt schwächte die militärischen Fähigkeiten der Hisbollah erheblich und schafft laut US-Beamten "radikal andere Sicherheitsbedingungen", die es dem Libanon ermöglichen, größere Verantwortung für die Grenzsicherheit zu übernehmen.
Bedenken bezüglich Machtvakuums
Frankreich und Italien äußerten Bedenken, dass ein vorzeitiger Abzug ein Sicherheitsvakuum schaffen könnte, das es der Hisbollah ermöglichen könnte, sich neu zu gruppieren und wieder zu bewaffnen. Der Kompromiss verlängert das UNIFIL-Mandat um 16 Monate bis zum 31. Dezember 2026, mit vollständigem Abzug für 2027 geplant. Dieser Zeitplan bietet der libanesischen Armee zusätzliche Vorbereitungszeit und geht gleichzeitig auf amerikanische budgetäre Bedenken bezüglich fortgesetzter Finanzierung ein.
Zukünftige Herausforderungen
Ein erfolgreicher Übergang erfordert einen signifikanten Kapazitätsaufbau innerhalb der libanesischen Streitkräfte und fortgesetztes diplomatisches Engagement zwischen dem Libanon und Israel. Der Abzug fällt auch mit der Anforderung zusammen, dass Israel seine verbleibenden Truppen aus libanesischem Territorium entfernen muss, was einen komplexen Sicherheitsübergabeprozess in einer der volatilsten Grenzregionen des Nahen Ostens schafft.